Verarbeitung der Kakaofrucht

1. Ernte

Aufschlagen der frischen Kakaofrüchte
Aufschlagen der Kakaofrüchte

Mit Hilfe von langen Pflückmessern werden die Kakaofrüchte von den Bäumen getrennt. Dabei muss mit äußerster Sorgfalt vorgegangen werden, um die Samenkissen, aus denen die Frucht hervorgegangen ist, nicht zu verletzen. An diesen Stellen könnten sonst keine weiteren Früchte mehr wachsen. Die Früchte werden dann mit Macheten geöffnet und das Fruchtfleisch, sowie die Kakaobohnen aus den Schalen hervorgeholt. Das Bild zeigt einige geöffnete Kakaofrüchte mit dem weißen Fruchtfleisch in dem die Kakaobohnen stecken.

2. Fermentation

Frische Kakaofrüchte nach der Ernte
Frische Kakaofrüchte
Transport der Früchte zu Sammelplätzen
Transport der Früchte mit Esel
Sammeln von Fruchtfleisch und Samen
Fruchtfleisch mit Samen

Der Ernte folgt die Fermentation. Zur Fermentation werden die Bohnen und das Fruchtfleisch auf Bananenblättern (oder anderen großen Blättern) ausgebreitet und mit einer weiteren Schicht von Blättern abgedeckt. Dieses Verfahren wird auch Haufenfermentation genannt. Neben dieser klassischen Methode werden die Kakaobohnen auf manchen Plantagen zur Fermentation auch in Körbe oder Fässer gegeben. Besonders verbreitet ist heute die Fermentation in großen Holzkisten, diese Methode wird von den meisten größeren Farmen und Anbau-Kooperativen verwendet. Richtig angewendet erreicht man so gleichmäßige und gute Ergebnisse. Die Fermentation in Fässern und Holzkisten hat den Vorteil, das die Kakaobohnen nicht so leicht von Schädlingen befallen werden.

So liegen die Bohnen meistens für etwa fünf bis sechs Tage zwischen Bananenblättern, oder in Holzkisten. Die genaue Fermentationsdauer schwankt, abhängig von der Kakaosorte, zwischen 2 und 7 Tagen. Während dieser Zeit läuft ein Gärprozess, die Fermentation ab. Dabei entstehen hohe Temperaturen von ca. 45 °C bis 50 °C. Ausgelöst durch diese Temperaturen laufen die verschiedensten chemischen und biologischen Prozesse ab. Am ersten Tag wird das Fruchtfleisch flüssig und verdampft schließlich, je stärker die Temperatur ansteigt. Entscheidend für die spätere Schokolade ist, dass die Bohnen kurz aufkeimen, um dann durch die hohen Temperaturen und den hohen Säuregehalt abzusterben. Ohne das Keimen der Bohnen hätte die Schokolade nicht ihren gewünschten Geschmack. Das Abtöten der Keimfähigkeit ist notwendig, um die Bohnen haltbar zu machen. Mit dem Absterben der Bohnen werden die Zellwände zerstört und der Zellsaft kann sich in der ganzen Bohne ausbreiten. Das ist ein Grund dafür, dass der bittere Geschmack der Bohnen gemildert wird und Vorstufen der späteren Aromastoffe entstehen. Außerdem erhalten die zuvor weißlich-gelben Bohnen ihre braune Färbung.

Um sicherzustellen, das es keine Fehlgärung gibt, werden die Kakaobohnen auf manchen Plantagen zu Beginn der Fermentation mit einer Starter-Mikroflora geimpft. Andernfalls ist man darauf angewiesen, das die Bakterien zum Beispiel durch Fliegen übertragen werden. Die Impflösung wird aus dem Gärsaft der laufenden Produktion gewonnen und mit verschiedenen Hefen angereichert.

Zur Verbesserung der Qualität können die Bohnen vor der Fermentation auch nach ihrer Größe sortiert werden. So erreicht man auch bei unterschiedlich großen Kakaobohnen eine gleichmäßige Fermentation.

Ziel der Fermentation:

  • Das Fruchtfleisch effektiv von den Bohnen trennen
  • Die Keimfähigkeit der Samen abtöten, um sie lagerfähig zu machen
  • Aromastoffe bzw. deren Vorstufen zu bilden
  • Die Bohnen braun zu färben

3. Trocknen der Kakaobohnen

Nach der Fermentation enthalten die Bohnen bis zu 60 % Wasser. Um lagerfähig und damit für die weitere Verarbeitung geeignet zu sein, müssen sie getrocknet werden. Dazu werden sie auf Matten oder Tabletts ausgebreitet und ein bis zwei Wochen der tropischen Sonne ausgesetzt (In den Kakao erzeugenden Ländern scheint die Sonne so oft :-). Während des Trocknens reduziert sich das Gewicht der Bohnen um mehr als die Hälfte und der Wassergehalt wird auf maximal 7 % reduziert. Dadurch wird die Haltbarkeit der Bohnen deutlich verbessert. Durch die Sonnenbestrahlung wird außerdem das Aroma der Bohnen weiter entwickelt.

Ziel des Trocknens:

  • Haltbarkeit der Bohnen
  • Entwicklung des Aromas
Anlage zum Trocknen von Kakaobohnen in Saint Lucia, ©iStockphoto.com/stevegeer
Anlage zum Trocknen von Kakaobohnen in Saint Lucia
Kakaobohnen trocknen auf dem Boden in Venezuela
Kakaobohnen trocknen auf dem Boden in Venezuela
Auf dem Weg zum Trocknen
Auf dem Weg zum Trocknen
Trockenanlage in der Dom. Republik
Trockenanlage in der Dom. Republik
Getrocknete Kakaobohnen
Getrocknete Kakaobohnen

4. Transport

Kakaoverladung in Container für den Überseetransport
Kakaoverladung auf LKW

Die Kakaobohnen werden in der Regel nicht in den Anbauländern, sondern in Europa und Nordamerika verarbeitet. Der Transport erfolgt auf dem Seeweg. Dazu werden die Kakaobohnen in 60- bis 70-Kilo-Jutesäcke abgefüllt.

Weitere Informationen:

5. Reinigen der Kakaobohnen

Alte Reinigungsmaschine für Kakaobohnen
Reinigungsmaschine

Kommen die Kakaobohnen in der Schokoladenfabrik an, so sind sie in häufig mit Fremdkörpern wie Staub, Sand, Holz, Glas, Steinen, Metall, Jutefasern u.a. Stoffen verunreinigt. Diese Fremdkörper werde mit Hilfe von Sieben, Magneten und Luftströmen entfernt. Die Abbildung Rechts zeigt eine historische Maschine zur Reinigung von Kakaobohnen.

6. Thermische Vorbehandlung

Bei modernen Anlagen zur Kakaoverarbeitung werden die Kakaobohnen einer thermischen Vorbehandlung unterzogen. Die Behandlung dient der Reduzierung von Bakterien und der Verbesserung der Kakaokernbruchausbeute. Die Vorbehandlung kann durch Infrarot-Behandlung oder durch den Einsatz von Heiß-Luft oder -Dampf erfolgen.

Mehr Informationen zur thermischen Vorbehandlung:

7. Rösten

Die üblichen Rösttemperaturen für Kakaobohnen liegen zwischen 100 °C und 140 °C. Die genauen Temperaturen hängen von der Kakaosorte und Qualität (z.B. der Bohnengröße), sowie vom erwünschten Geschmack ab. Ebenfalls eine Rolle spielt, ob aus den Bohnen Kakaopulver oder Schokolade hergestellt werden soll. Üblicherweise werden Bohnen die zur Herstellung von Kakaopulver dienen bei höheren Temperaturen geröstet als Bohnen für die Schokoladeherstellung. Edelkakaos werden ebenfalls bei niedrigeren Temperaturen geröstet. So werden Edelkakaos für die Schokoladeherstellung im unteren Temperaturbereich von 100 °C bis 115 °C geröstet.Die Röstzeit ist abhängig von den Kakaobohnen, der Rösttemperatur und von der eingesetzten Rösttechnik. Kurze Röstzeiten bei hohen Temperaturen liegen bei 15 bis 20 Minuten. Längere Röstprozesse bei niedrigen Temperaturen können über eine Stunde dauern.

Da man Kakaobohnen unterschiedlicher Größe wegen der unterschiedlich langen Röstzeit nur schlecht gleichzeitig Rösten kann gehen viele Firmen dazu über nicht mehr die ganzen Bohnen zu Rösten sondern den Kakaokernbruch (so genannte Nibs).

Beim Rösten verlieren die Bohnen weiter an Feuchtigkeit, und es laufen chemische Prozesse ab, die für den Geschmack und das Aroma von Schokolade unerlässlich sind. Das Rösten kann auch nach dem Brechen und Schälen stattfinden.

Nach dem Rösten müssen die Kakaobohnen schnell abgekühlt werden um ein Überrösten zu verhindern.

Ziel des Röstens:

  • Vollständiges erschließen des Aromas; es entstehen bis zu 400 Aromastoffe
  • Weiterer Entzug von Feuchtigkeit
  • Die Schale löst sich leichter vom Kern
  • Die braune Farbe entwickelt sich

8. Brechen und Schälen

Bei diesem Vorgang werden die Bohnen zunächst durch starke Walzen in kleine Stücke zerbrochen. Danach werden die leichten Schalenteile durch einen starken Luftstrom weggeblasen, übrig bleibt der Kakaobruch. Bereits jetzt könnte man die Kakaostücke alkalisieren (siehe im Kapitel über Kakaopulver). Das Brechen kann auch durch einen Wurfbrecher erfolgen. In diesem werden die Kakaobohnen mit großer Geschwindigkeit gegen Stahlplatten geschleudert und so zerbrochen. Der Vorteil dieser Methode ist, das auch Bohnen unterschiedlicher Größe einwandfrei aufgebrochen werden.

Ziel des Brechens und Schälens:

  • Trennen der Bohnen von der Schale

9. Kakaokernbruchveredlung

Im Kakaokernbruch sind einige unerwünschte Geschmacks- und Geruchsstoffe enthalten (u.a. Acetaldehyd, Aceton, i-Butanol, Ethanol, i-Propanol, Essigsäureethylester, Essigsäure, i-Pentanal, Methanol, Diacetyl). Diese Stoffe werden am Ende der Schokoladenherstellung durch das Conchieren beseitigt. Ausgehend von der Tatsache, das sich die unerwünschten Stoffe leichter aus dem festen Kakaokernbruch austragen lassen, als aus der Kakaomasse, in der die Stoffe durch die Kakaobutter eingeschlossen sind, hat man begonnen bereits den Kakaokernbruch zu Veredeln. Dadurch kann das Zeit und Energieaufwendige Conchieren verkürzt werden. Die Veredelung erfolgt in einem speziellen Druckreaktor. Möchte man Kakaopulver herstellen so wird dem Kakaokernbruch in diesem Reaktor eine Alkalilösung zugegeben. Bei der Herstellung von Schokolade gibt man eine Lösung von Zucker, Malz, Salz und weitere Stoffen hinzu.

Vorteile der Kakaokernbruchveredlung:

  • Die Zeit für das Conchieren (Endveredlung) kann stark verkürzt werden.
  • Der Geschmack der Schokolade kann verbessert werden.
  • Schimmel- und Hefepilze, sowie Mikroorganismen werden Größtenteils vernichtet.

10. Mahlen

Der Kakaobruch wird zermahlen. Dabei wird das Zellgewebe der Bruchstücke zerrissen und die Kakaobutter freigelegt. Durch die entstehende Hitze schmilzt die Kakaobutter, tritt aus den Poren aus und umhüllt die Bruchstücke. Der Kakaobruch wird zur flüssigen Kakaomasse. Die Kakaomasse hat jetzt schon eine gewisse Ähnlichkeit mit dem späteren Endprodukt und ist bereit für die Herstellung von Schokolade oder Kakaopulver. Für das Mahlen können verschiedene Mühlen eingesetzt werden zum Beispiel Kugelmühlen oder auch Walzensysteme.

Getrennte Wege zu Kakaopulver und Schokolade

Jetzt trennt sich die Verarbeitung in zwei Wege, je nachdem ob Kakaopulver oder Schokolade hergestellt werden soll. Weiter zur: