Kombination von Whisky und Schokolade

Schokolade lässt sich wunderbar mit anderen Genussmitteln kombinieren. Neben den bekannteren Kombinationen wie Kaffee und Wein, ist auch Whisky ein hervorragender Partner für Schokolade.

Die folgende Verkostungsnotiz von Günter Moser erschien als Gastbeitrag in den Armond Dishers WhiskyNews, Ausgabe Nr. 13, Dezember 2007. Die WhiskyNews liefern regelmäßig aktuelle News aus der Welt des Whiskies, auch im Internet unter www.adwn.de

Lindt Schokolade und Whisky (Foto: G. Moser)
Lindt Schokolade und Whisky (Foto: G. Moser)

Schoko-Whisky-Notes I

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Armond Dishers WhiskyNews.

Nahezu zeitgleich erhielt ich von Arne Homborg, einem befreundeten Mindener Chocolatier (www.theobroma-cacao.de) und Günter Moser, einem sehr guten und langjährigen Freund e-Mails, die sich mit dem Thema Whisky und Schokolade befassten.
Arne fragte mich, ob ich zu dem Thema etwas beitragen könne. Leider bin ich diesbezüglich wenig kompetent. Da traf es sich gut, dass Günter in seiner e-Mail von harmo­ni­schen Kom­binationen bei­der Genüsse berichtete.
Da Whisky und Schokolade im wahrsten Sinne des Wortes längst in aller Munde sind, fragte ich Günter, ob er nicht Lust hätte, für die ADWN eine seiner zahl­reichen Verkostungsnotizen zu verraten. Nach anfänglichem Zögern sagte er schließlich zu und somit erscheint in dieser ADWN der erste Artikel eines Gastautors:

Aberlour a'bunadh & Lindt Edel­bitter Mousse Blaubeer-Lavendel

Destillerie-Katzen sind dem Malt-Liebhaber ein Begriff. Wie kann man mit Naschkatzen einen Bezug zu Malt-Whisky herstellen? Ich möchte im Nachfolgenden eine Möglichkeit auf­zeigen.
Kurz vor dem Fest möchte ich Sie zu einer besonderen Verkostung einladen. Die Adventszeit war und ist für mich immer was Besonderes. Deshalb soll heute auch etwas ganz Besonderes verkostet werden. Ich habe zwei Kandidaten ausgewählt.
Zum einen gibt es seit Kurzem von einer bekannten Schweizer Firma eine neue Schokoladensorte.
Zum anderen wartet seit dem Frühjahr ein Aberlour a’bunadh darauf, endlich von seinem Wachsverschluss befreit zu werden. Mit meinem Schweizer Messer gelingt mir der Befreiungsversuch auf Anhieb.
Ein Drum a’bunadh darf sich nun in einem Standard-Nosing-Glas entfalten.

Lindt Edelbitter Mousse Blaubeer-Lavendel

Die Firma Lindt & Sprüngli GmbH hat mit Blaubeer-Lavendel inzwischen die neunte Tafel der Reihe Edelbitter Mousse herausgebracht. Für die 150g Tafel nennt Lindt eine unverbindliche Preis­empfehlung in Höhe von 2,70 Euro. Der Kakao-Anteil liegt bei 70%, wie es bei dieser Serie üblich ist.
Sehen, tasten, hören, riechen, schmecken – wer will kann sich mit einer aus­führ­li­chen Degustationsanleitung an die dunkel glänzende Tafel annähern (www.lindt.de). Auf der Webseite des Herstellers bekommt man allgemein eine reichhaltige Information über die zartes­te Versuchung seit es Malt-Whisky gibt.

Aberlour a'bunadh Batch No. 8

Ich weiß, der Wortlaut muss anders heißen. Ich wollte mir lediglich eine Überleitung zu unserem Aberlour a'bunadh [sprich: a buunach] basteln.
Die Flasche soll eine schottische Apothekerflasche aus dem 19. Jahr­hun­dert nachbilden. Gefüllt ist sie heut­zutage für um die fünfzig Euro zu haben.
Der Inhalt stammt aus dem Batch No. 8 und kommt mit einer Stärke von 60,2 vol% direkt vom Eichenfass, in dem zuvor Oloroso Sherry gelagert wurde.
Im Glas zeigt sich der a'bunadh deutlich dunkel. Eine Mischung aus Altbier und dunklem Bernstein dürfte die Farbe des Malt-Whiskys am ehesten treffen.
Aus dem Nosing-Glas verbreiten sich mittlerweile angenehme Aromen nach Kirschwein und Rumrosinen. Später gesellen sich noch deutlich Sherry und ein Hauch Möbelpolitur dazu.
Man könnte meinen man nimmt die daneben liegende Edelbitter­schokolade mit der Nase wahr. Doch die lauen Schokoladentöne stammen ein­deu­tig aus dem Stielglas.
In den Mundraum dringt er kräftig ein. Trotz seiner Stärke ist der a'bunadh ein weicher und vollmundiger Whisky. Er schmeckt deutlich nach reifen Kirschen. Der Sherrywein dringt auch hier durch. Eine Süße macht sich nach einer Weile bemerkbar.
Im Nachklang bleibt der wunderschöne Eindruck ewig lang am Gaumen haften.

Vereinigung der Genüsse

Sekunden später schmilzt die Edelbitterschokolade zart und glatt auf der Zunge dahin, verbreitet sich dort zuerst trocken nach typisch dunkler Schokolade schmeckend, dann, wenn die Schokoladenhülle durchgeschmolzen ist, grüßen Blaubeere, etwas fruchtig und kurz darauf, Lavendel, lau und blumig. Augenblicklich findet eine aromatische Vermählung mit dem a'bunadh statt.
Zusammen gebären Malt und Schoko­lade einen zauberhaften Geschmacks­ein­druck. Das Kind heißt Mon Chéri.
Die Raffinesse des Aberlours und die Feinheit der Lindt-Schokolade pulsieren noch lange am Gaumen – herb, blumig, fruchtig und süß zugleich.
Wahrlich, eine Traumhochzeit! Bei der Vanille, die ich ganz fein unter der Zunge verspüre, stehe ich vor einem Rätsel. Kommt dieser Geschmacks­eindruck vom a'bunadh-Eichenfass oder von der Lindt-Schokolade?
Einziger Punktabzug beim Schoki (doch absolut kein Scheidungsgrund): Beim Auseinander­brechen der Rippen muss man gut aufpassen. Die Füllung läuft schnell aus. Ich habe mir dabei mein Hemd voll gekleckert.
Ich wiederhole zwei, drei Mal die Vermählungsprozedur und lasse mich immerzu von den faszinierenden Aromen und den magischen Geschmackseindrücken verwöhnen.

Fazit

Tauben müssen damals diese delikate Kombination an Zeus überbracht haben. Zweifellos ist es einen Versuch wert, eine andere Kombination zu kreieren und beim Verkosten ‚Hochzeitsgäste’ mit einzuladen.
Liebe Freunde, wie wäre es mit Lindt Edelbitter Mousse Blaubeer-Lavendel mit einem fassstarken Lowlander?
Denkbar wäre auch die Heirat mit einem Islay-Malt! Nehmen Sie sich Zeit und Muse und probieren Sie es aus….  hör' ich da Naschkatzen schnurren?

Über Günter Moser

Günter Moser genießt Schokolade schon seit 1963 und Scotch Whisky seit 2001. Er hat bereits nahezu hundert Kombi­nationen aus Edelbitterschokol­ade und Whisk(e)y verkostet.