Drei neue grundlegende Rezepte

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Das 19. Jahrhundert bringt drei völlig neue Rezepturen bzw. Produkte. Dies sind die ersten bedeutenden Rezepturveränderungen seit die Spanier der Trinkschokolade den Zucker beimischten.

Kakaopulver

Dank der Erfindungen von van Houten wird die dickflüssige schwere Trinkschokolade durch ein leichteres Kakaogetränk aus stark entöltem Kakaopulver ersetzt. Dank der einfacheren Zubereitung wird Kakao als Getränk langsam massentauglich.

Tafelschokolade

Die zweite bedeutende Änderung der Rezeptur von Schokolade war die Zugabe von zusätzlicher Kakaobutter zur Kakaomasse. Dadurch wurde die Schokolade weicher, geschmeidiger und ließ sich zu Formen gießen, die Geburtsstunde der modernen Tafelschokolade. Es war vermutlich die Firma Joseph S. Fry & Sons die 1848 diese neue Schokolade als erste herstellte und auf der Handelsmesse in Birmingham präsentierte. Die unter dem Namen „Chocolat Delicieux à Manger“ (Produkte im französischen Stil waren in England gerade in Mode) vorgestellte Schokolade war sofort ein großer Erfolg. Bis man begann die Kakaobutter der Schokolade hinzuzugeben, war sie lediglich ein Abfallprodukt bei der Herstellung von Kakaopulver. Das neue Rezept, das schnell von anderen Herstellern nachgeahmt wurde führte zu einem Anstieg der Kakaobutterpreise und im Gegensatz zu den immer billiger werdenden Trinkschokoladen blieben die neuen Tafeln und die Pralinen noch für längere Zeit den Besserverdienenden vorbehalten. Ob das Produkt der Firma Fry wirklich das erste mit diesem neuen Rezept war ist nicht ganz geklärt. Sicher ist das es auch vorher schon Angebote an Schokoladenkonfekt und ähnlichem gab, den Durchbruch als festen Konsumartikel schaffte die Schokolade aber erst mit dem neuen Rezept.

In der Schweiz gilt Rodolphe Lindt als erster, der extra Kakaobutter verwendet hat. Lindt begann allerdings erst 1879 mit der Herstellung von Schokolade, lange nachdem Fry bereits das neue Produkt vorgestellt hatte.

Milchschokolade

Das dritte Rezept, das die Schokoladenwelt grundlegend veränderte war die Milchschokolade. Sowohl die deutsche Firma Jordan und Timaeus (gegründet 1823 in Dresden) wie auch der Schweizer Daniel Peter befinden sich im Wettstreit um die erste Milchschokolade. Jordan und Timaeus sollen bereits 1839 die erste Milchschokolade auf den Markt gebracht haben. Der Schweizer Daniel Peter brachte um 1879 seine erste Milchschokolade auf den Markt. Er nutzte dabei das wenige Jahre zuvor von Henri Nestlé erfundene Verfahren zur Herstellung von Milchpulver.

Den Erfolg der Milchschokolade begründeten aber zweifellos die Schweizer Fabrikanten. In den folgenden Jahren sollten die Schweizer die besten Produzenten von Milchschokolade bleiben, was neben der Erfindung der Conche durch Rodolphe Lindt eine der Ursachen für den guten Ruf der Schweizer Schokolade war.