Schokolade und Gesundheit

Welche positiven und negativen Folgen hat der Genuss von Schokolade? - Diese Frage möchte ich hier, so weit dies möglich ist, beantworten.

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Entscheidend fĂŒr die Frage sind die Inhaltsstoffe und deren Auswirkung. Leider gibt es hunderte Stoffe, die in kleinsten Mengen in der Schokolade sind. Über die meisten davon liegen keine Erkenntnisse vor und auch bei der Beurteilung der bekannten und teilweise erforschten Stoffe gehen die Meinungen auseinander. Hier sollen nur die am besten erforschten Inhaltsstoffe behandelt werden:

Theobromin und Koffein

Die physiologische Wirkung von diesen beiden Bestandteilen ist grundsÀtzlich anerkannt, d. h. aber lediglich das die Wirkung der reinen Substanz im Versuch nachgewiesen werden konnte. Wie genau diese Stoffe in so komplexen Verbindungen wie Schokolade wirken, ist umstritten. Koffein und Theobromin machen etwa 1 bis 2 Prozent des Kakaos aus. Koffein und Theobromin sind Alkaloide; komplexe organische Verbindungen, die in etwa 10 Prozent aller Pflanzen vorkommen.

Theobromin

Theobromin stimuliert das zentrale Nervensystem, wenn auch nicht so stark wie andere Alkaloide dies tun. Das Besondere am Theobromin ist, dass es die BlutgefĂ€ĂŸe erweitert und als harntreibendes Mittel wirkt. Einer Studie von Omar Usmani (London, 2004) nach, kann Theobromin auch lindernd bei HustenanfĂ€llen wirken.

Koffein

Koffein wirkt durch die Stimulation des zentralen Nervensystems und des BlutgefĂ€ĂŸesystems. Die Wirkungen umfassen NervositĂ€t, Angst, Schlaflosigkeit und schlimmere Beschwerden bis hin zum Herzinfarkt. Auf der anderen Seite verringert Koffein die MĂŒdigkeit, steigert die geistige LeistungsfĂ€higkeit, regt die Produktion der MagensĂ€fte an und wirkt harntreibend.

Bei diesen Wirkungen sollte man immer bedenken, dass fĂŒr die wissenschaftlichen Tests reines Koffein verwendet wurde. In der RealitĂ€t nehmen wir aber ein Gemisch der unterschiedlichsten Substanzen auf, die so vielfĂ€ltig sind, dass wir die Wirkungen nicht erfassen können. Hinzu kommt, dass der genaue Anteil an Koffein sehr von der Verarbeitung des Produktes abhĂ€ngt und seine Wirkung von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein kann. Außerdem ist der Anteil an Koffein in einer Tasse Schokolade sehr gering.

Koffeingehalt von Kakao im Vergleich mit Kaffee und Tee:

  • 1 Tasse gefilterter Kaffee 50 bis 175 Milligramm
  • 1 Tasse Tee 25 bis 100 Milligramm
  • 1 Tasse Kakao  gar kein Koffein bis max. 25 Milligramm

Anadamid und Phenylethylamin

Diese beiden Stoffe befinden sich zum Beispiel auch in Haschisch und Morphium und wirken auf die Teile des Gehirns, die fĂŒr GlĂŒcks- und Lustempfinden verantwortlich sind. Die in Schokolade gefundenen Mengen sind allerdings so gering, dass keinerlei Suchtgefahr besteht. Die Mindestdosis, um bei einem erwachsenen Menschen auch nur annĂ€hernd eine berauschende Wirkung zu erzielen, liegt bei 20 Kilogramm Vollmilchschokolade. Wer die HĂ€lfte geschafft hat, dĂŒrfte sie wieder von sich geben, noch bevor die ersten Spuren von Anadamid und Phenylethylamin verdaut wurden.

Salsolinol

Die Wirkung von Salsolinol ist bislang unklar. In Schokolade fand man es an der Humboldt UniversitĂ€t Berlin, als man sich mit Alkoholkonsum beschĂ€ftigte. Tatsache ist, dass jeder Mensch einen natĂŒrlichen Salsolinolspiegel hat, wie dieser wirkt, wozu er gut ist und ob der Bedarf an Salsolinol durch die Nahrung gedeckt wird, ist bislang nicht bekannt und bleibt abzuwarten. Nachtrag vom 8.2.2009: Salsolinol wird zur Gruppe der endogenen Neurotoxine gezĂ€hlt. Bekannt ist inzwischen, dass Salsolinol verschiedene Enzyme und Enzymkomplexe hemmt und zu oxidativem Stress fĂŒhrt.

Polyphenole (Gerbstoffe)

Die Informationen ĂŒber die Polyphenole und Flavanole wurden zu umfangreich und sind jetzt auf einer eigenen Seite: Polyphenole
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Fett und Zucker

Etwas mehr als die HĂ€lfte der Kakaobohnen besteht aus Fett. Dieses wird durch einen von van Houten im letzten Jahrhundert entwickelten mechanischen Vorgang aus den Bohnen gewonnen. Das Fett nennen wir Kakaobutter, die restliche Masse Kakaopulver. Die Kakaobutter wird zur Herstellung von hochwertiger Schokolade, Kosmetika und Arzneimitteln verwendet. Sie zeichnet sich durch die lange Haltbarkeit und die Eigenschaft bei Temperaturen leicht unter der menschlichen Körpertemperatur zu schmelzen aus. Durch die Methode von van Houten kann der Fettgehalt des Kakaopulvers auf 22 % bis 11 % reduziert werden. So ist in Kakaopulver fĂŒr GetrĂ€nke deutlich weniger Fett als in Schokolade, der oft noch zusĂ€tzliche Kakaobutter hinzugegeben wird. Neben dem hohen Fettanteil von Schokolade hat Zucker bei vielen Sorten ebenfalls einen sehr hohen Anteil. Durch Fett und Zucker wird Schokolade zu einem sehr guten Energielieferanten. Eine Tafel Milchschokolade liefert 550 Kilokalorien oder 2311 Kilojoule. Ein guter Grund also, warum Schokolade auf keiner Expedition und in keinem Armee-Pack fehlen darf. Das bedeutet auf der anderen Seite aber, dass zu viel Schokolade bei einer normalen ErnĂ€hrung zu Übergewicht fĂŒhren kann. Der Zucker seinerseits greift, gefördert durch die lange Verweildauer der Schokolade im Mund, die ZĂ€hne an. Dieser Effekt wird durch Schokolade mit Milch allerdings etwas geschmĂ€lert, da in der Milch enthaltene Stoffe wie Kalzium, Kasein und Phosphate karieshemmend wirken.

Cholesterin

Es gibt zahlreiche Untersuchungen zum Thema Schokolade und Cholesterin. Die meisten deuten darauf hin, dass Schokolade bzw. Kakaobutter folgende Effekte hervorruft:

  1. sie senkt das Gesamt-Cholesterin
  2. sie senkt das (schlechte) LDL-Cholesterin
  3. sie erhöht das (gute) HDL-Cholesterin
  4. sie verringert die Thrombozytenaggregation und senkt damit das Thromboserisiko.

Wie Morrissey (1986) herausfand, ist der Einfluss bei höherem Kakaobutteranteil deutlicher. Somit wÀre dunkle Schokolade zu bevorzugen.

N-Phenylpropenoyl-L-aminosÀureamide (CocoHeal)

Wissenschaftler der UniversitĂ€t MĂŒnster haben diese Substanz aus Kakao isoliert und charakterisiert. Sie wirkt wachstumsfördernd auf Hautzellen, die so genannten Keratinozyten. Es soll in Zukunft möglich sein, die hautregenerativen und wundheilenden Eigenschaften therapeutisch zu nutzen. Einsatzmöglichkeiten ist die PrĂ€vention wunder Hautpartien bei BettlĂ€gerigen, die Behandlung von Sonnenbrand, oder der Einsatz als Anti-aging-Mittel. DarĂŒber hinaus verhindert CocoHeal, dass sich die Bakterien Heliobacter pylori an das Magengewebe anheften. Diese Bakterien können zu MagengeschwĂŒren fĂŒhren.
Quelle und weitere Informationen: www.provendis.info

Schwermetalle und Toluol

Mit Ausnahme von Cadmium kommen in Kakao keine höheren Konzentrationen von Schwermetallen oder Toluol vor. Der Bleigehalt liegt zwischen 0,06 mg/kg und 0,1 mg/kg, der durchschnittliche Gehalt an Kupfer liegt bei 8,9 mg/kg und der von Zink bei 20,7 mg/kg. In 96 % aller Proben wurde Toluol gefunden, im Durchschnitt 0,04 mg/kg. Die Zahlen basieren auf einer Untersuchung des Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL, www.bvl.bund.de) in der 286 Schokoladenproben untersucht wurden (Untersuchung aus 2002).

Cadmium

Cadmium steht im Verdacht krebserregend zu sein und Niere und Leber zu schĂ€digen. Eine Gefahr besteht aber nur, wenn regelmĂ€ĂŸig zu viel Cadmium aufgenommen wird. Cadmium unterscheidet sich vor allem dadurch von den anderen Schwermetallen, dass der Gehalt bei dunklen Schokoladen deutlich höher ist, als bei Milch- oder Sahneschokoladen. Cadmium wird durch die Wurzeln des Kakaobaums aufgenommen. Dabei spielt vor allem der Boden eine bedeutende Rolle. Die Böden in den Anbaugebieten Mittelamerikas sind stĂ€rker belastet, als die Böden in Westafrika. Die ICCO nennt fĂŒr Kakaobohnen aus Venezuela und Ecuador einen Cadmiumgehalt von 0,18 bis 1,5 mg/kg. Im Vergleich dazu fĂŒr Kakaobohnen aus Westafrika nur 0,08 bis 0,14 mg/kg.

Ein Richt- oder Grenzwert fĂŒr den Cadmiumgehalt von Schokolade existiert zur Zeit nicht. Ein vom BVL und anderen vorgeschlagener Grenzwert sollte bei 0,3 mg/kg liegen. In der oben genannten Untersuchung des BVL aus dem Jahr 2002 hĂ€tten 2,8 % aller Proben diesen Wert ĂŒberschritten. Auch bei einer Untersuchung von Ökotest im Herbst 2005 ĂŒberschritten einige Proben Werte von 0,3 mg/kg, einige erreichten sogar mehr als 0,4 mg/kg.

Die WHO nennt 1 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht als tolerierbare tĂ€gliche Aufnahme die als unbedenklich gilt. Danach wĂ€re auch der tĂ€gliche Verzehr von 100 g der stĂ€rker belasteten Schokoladen kein Problem. Der Otto Normal Verbraucher, der weit weniger als 100 g Schokolade pro Tag isst, ist ohnehin weit von der tĂ€glichen Höchstdosis entfernt. Die UniversitĂ€t Wien hat fĂŒr Österreich berechnet, dass die tĂ€gliche Cadmiumaufnahme bei durchschnittlich rund 9,4 Mikrogramm pro Tag liegt (Quelle: Gutachten der UniversitĂ€t Wien).
Aktualisierung MĂ€rz 2009: Die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit hat die tolerierbare tĂ€gliche Aufnahme von Cadmium gesenkt. Bislang verwendete man in der EU den Wert der WHO der 1 Mikrogramm pro kg Körpergewicht pro Tag tolerierte. Jetzt senkte die EU die tolerierbare tĂ€gliche Aufnahme auf 2,5 Mikrogramm / kg pro Woche, also 0,36 Mikrogramm pro kg Körpergewicht am Tag. Laut EU werden durchschnittlich 2,3 Mikrogramm/kg in der Woche aufgenommen, Risikogruppen wie Vegetarier, Raucher und Kinder erreichen allerdings hĂ€ufig Werte ĂŒber 5 Mikrogramm/kg in der Woche. Ein Grenzwert fĂŒr Cadmium in Lebensmitteln wurde allerdings bislang nicht eingefĂŒhrt.