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Kallari: Vom Kakaobauern zum Schokofabrikanten

Arne Homborg
(25.09.2009)
Kallari wurde 1997 in Ecuador als bäuerliche Genossenschaft gegründet um gemeinsam landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie Kakaobohnen zu vermarkten. Inzwischen hat Kallari den Sprung zum Schokoladenhersteller geschafft, wenn auch noch die eigene Produktion fehlt. Der Weg dahin war lang, zunächst konzentrierte man sich auf die Direktvermarktung von Kakaobohnen. Über unser Schokoladenforum kam ein Kontakt zum Schweizer Hersteller Felchlin zustande, der bis heute Abnehmer für Kallari Kakaobohnen in Europa ist. In Deutschland gibt es den Kakao zur Zeit nur in Form von „Rio Napo Waldschokolade“ zu kaufen.

Mit Kakaodiebstahl beginnt die eigene Produktion

Da die meisten Kakaobauern der Genossenschaft davon überzeugt waren, dass es ihnen unmöglich sei, eine eigene Schokolade auf den Markt zu bringen, wollten sie auch keine Kakaobohnen zur Verfügung stellen um einen Versuch zu starten. Daraufhin stahl einer der Arbeiter, Carlos Pozo, heute Direktor der Comerzialisacion, einen Zentner Kakaobohnen und machte sich auf den Weg, mit dem Bus in die Berge, wo Mönche eine kleine handwerkliche Schokoladenfabrik betreiben. Sie stellten ihm ihre Fabrik zur Verfügung und räumten ihm die Möglichkeit ein später zu bezahlen. Zunächst fertigte Carlos Pozo 150 Tafeln an, der in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito an Cafeterias verkaufte. Mit dem Gewinn fuhr er zurück zur Schokoladenfabrik und stellte weitere Tafeln her, die er wiederum verkaufte. Dann fuhr er mit etwa 100 Tafeln und etwas Geld zurück zu Kallari in Tena. Dort bezahlte er den gestohlenen Kakao und ließ die Kleinbauern von der Schokolade kosten. So vom Erfolg überzeugt, entschloss man sich das Projekt „Kallari Chocolate“ anzugehen und entwickelte mit Unterstützung von Voluntären aus aller Welt drei eigene Tafelschokoladen, die ausschließlich aus dem eigenen Kakao hergestellt werden. Noch muss die Genossenschaft nachts die Produktion einer fremnden Fabrik mieten, um die eigene Schokolade herzustellen, aber die Pläne für eine eigene Fabrik sind schon gemacht.

Auf dem Sprung von Amerika nach Europa

Bislang ist die Schokolade von Kallari nur in Ecuador und den USA erhältlich, wo sie bereits zahlreiche Preise gewonnen hat. Die Genossenschaft sucht aber aktiv nach Importeuren für Europa, sowohl für die Schokolade, wie auch für den Rohkakao und so könnte die in Ecuador produzierte Schokolade auch bald in Europa erhältlich sein. Bislang gibt es die „Kallari“ in drei Sorten, allesamt dunkle Schokoladen, die sich im Kakaogehalt unterscheiden, der von 70% über 75% bis 85% reicht. Die Proben die ich Erhalten habe bieten alle ein schönes kräftiges Schokoladenaroma, wie es für single origin Schokoladen aus Ecuador typisch ist. Die Konsistenz ist im Vergleich zu anderen Schokoladen sehr hart, trotzdem entwickelt sie einen angenehmen Schmelz. Auch die mit 85% dunkelste Sorte ist gut gelungen und nicht, wie die dunklen mancher Mitbewerber zu trocken. Ein weiteres Plus für die Schokolade ist natürlich, dass die Erlöse direkt den Kakaofarmern zugute kommen, die das Geld in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit investieren.