Das Ende von Rogue Chocolatier’s stößt Debatte um nachhaltige Manufakturen an

10. Juli 2019 durch
Arne Homborg
Mit seinem vor 12 Jahren gegründeten Unternehmen Rogue Chocolatier’s sammelte Gründer Colin Gasko zahlreiche Auszeichnungen. Seine Single-Origin Tafeln standen für Qualität, trotzdem entschied sich Gasko jetzt das Unternehmen zu schließen, es sei auf Dauer kein nachhaltiges Geschäft. Wie viele kleine neu gegründete Schokoladenhersteller der letzten Jahre setze Gasko auf Qualität, handwerkliche Produktion und möglichst direkten Bezug der besten Kakaobohnen direkt von den Farmern. So sollten gleichzeitig hervorragende Schokoladen entstehen, die unter fairen Bedingungen und mit einem Mehrwert für die Kakaobauern hergestellt werden. Wie viele andere hatte auch Gasko den Anspruch die Produktion möglichst umweltverträglich zu gestalten. Die erhofften Ziele, könnten mit dem bestehendem Geschäftsmodell nicht erreicht werden, ist sich Gasko inzwischen sicher. So würden die kleinen handwerklichen Produkte zwar auf dem Markt für wesentlich höhere Preise verkauft, das meiste davon wird aber für eine vergleichsweise unrentable Logistik und Produktion benötigt. So bleibt am Ende selten deutlich mehr Geld für die Kakaofarmer übrig. Am grundsätzlichen Kräfteverhältnis zwischen den Nordamerikanischen- und Europäischen Schokoladenherstellern und den Kakaofarmern entlang des Äquators ändert sich durch das Modell ebenfalls nichts. Gleichzeitig profitiert auch die Umwelt nicht in besonderem Maße, denn kleine handwerkliche Produzenten können schon theoretisch nicht so effizient wirtschaften wie große Konzerne. Am Ende bleibt für viele kleine Manufakturen noch ein ganz anderes wesentliches Problem. Sie müssen selbst genug Geld erwirtschaften um den Betrieb zu erhalten. Gerade das erreichen eines stabilen und ausreichend hohen Umsatzes stellt viele kleine Hersteller vor Probleme. Der Markt für hochpreisige Edelschokoladen macht nur wenige Prozent vom Gesamtmarkt aus. Gleichzeitig kämpfen immer mehr kleine Start Ups um diesen Markt. In den USA sind es inzwischen vermutlich 300 bis 400 Produzenten, nicht ganz so viel bietet noch einmal Europa. Die große Herausforderung für alle Chocolatiers wird es sein, die Ansprüche in die Tat umzusetzen und dabei auch wirtschaftlich Erfolgreich zu sein. Dann könnte die neue Schokoladenbewegung am Ende auch für Kakaofarmer und die Umwelt eine Bereicherung sein. Das eben nicht reicht, einfach nur gute Schokolade zu machen, darüber wird jetzt verstärkt vor allem in den USA diskutiert.

Noch keine Lösung für Rogue Chocolatier's gefunden

Das Rogue Chocolatier's nicht weiter existieren wird, steht bereits fest. Wie genau das Ende abläuft hingegen noch nicht. Ursprünglich wollte Colin Gasko bereits vor dem Ende seinen Maschinenpark verkaufen um damit die Ausstände des Unternehmens zu begleichen. Als nicht einmal 10 % des Wertes erreicht wurden, entschied sich Gasko lieber nach Partnern und Investoren zu suchen, die den Transfer der Maschinen und des Know Hows in ein Kakaoanbauland unterstützen um vor Ort einem Produzenten die Möglichkeit zur Schokoladenproduktion zu geben. Bislang ist Gasko noch auf der Suche nach einer passenden Lösung.
Arne Homborg 10. Juli 2019
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