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Brexit trifft britischen Schokoladen- und Lebensmittelexport

Handel zwischen Großbritannien und der Europäischen Union läuft immer noch nicht rund

Arne Homborg
(31.03.2021)

Einige Monate ist der Brexit nun Realität und die neue Grenze trifft laut ersten britischen Statistiken besonders stark die Lebensmittelbranche. Die Exporte von Lebensmitteln und Getränken in die Europäische Union sanken laut der Food and Drink Federation (FDF) (Daten für Januar) im Januar um 75,5 % im Vergleich zum Vorjahr.

Im Januar 2020 waren noch Lebensmittel im Wert von 1 Milliarde britischen Pfund in die EU exportiert worden, im Januar 2021 nur noch Waren im Wert von 256,4 Millionen Pfund. Auch die Exporte in nicht EU-Länder sanken, allerdings deutlich geringer nur um 11,1 %. Besonders drastisch vielen die Rückgänge nach Irland (-84,9 %), Italien (-84 %) und Deutschland (-80,6 %) aus.

Brexit und Corona als Ursache für den Handelseinbruch

Der Brexit sorgt vor allem bei kleineren Lebensmittelherstellern auch in der Schokoladenbranche für Probleme beim Export. Nicht nur der höhere Aufwand beim Zoll macht Probleme, immer noch sind nicht in allen Bereichen sämtliche bürokratischen Regeln beim Ex- und Import geklärt und Produkte die bisher frei zwischen Großbritannien und der EU bewegt werden konnten, hängen wegen Formalitäten beim Zoll fest. Vor allem Waren die von kleinen Herstellern und Händler bisher für den Transport gebündelt wurden um Kosten zu sparen machen jetzt Probleme. Wir selbst kennen Fälle in denen die Lieferung von Ware aus England nach Deutschland anstatt weniger Tage bis zu 8 Wochen gedauert hat und einige deutsche Unternehmen suchen aktiv nach neuen Lieferanten auf dem Festland um wieder sicher mit Schokoladenprodukten versorgt zu werden. Wer sich für Aussagen kleiner Britischer Schokoladenhersteller zu diesem Thema interessiert findet Stellungnahmen unter anderem von und Chocolate Tree und Coco Chocolatier in einem Bericht von Confectionery News.

Neben dem Brexit trägt auch die anhaltende COVID-Pandemi zum Handelseinbruch bei. Geschlossene Restaurants, Hotels und Verpflegungseinrichtungen sorgen für geringere Nachfrage auf dem Kontinent.

Export von Schokolade in die EU sinkt um über 68 %

Unter den zehn wichtigsten in die EU exportierten Lebensmitteln lag Schokolade im Januar 2020 mit 41,4 Millionen Pfund auf dem dritten Platz. Nur noch 13,1 Millionen Euro im Januar 2021 bedeuten für Schokolade einen Exportrückgang von 68,4 Prozent. Das ist zwar ein drastischer Rückgang, die Schokoladenbranche steht damit aber immer noch besser da, als der Durchschnitt der Lebensmittelexporteure mit 75,5 % Rückgang. Am stärksten getroffen wurden die Exporte von Lachs (-98 %), Rindfleisch (-91,5 %), Schweinefleisch (-86,9 %) und Käse (-85,1 %).

Importe sinken ebenfalls

Auch die Importe von Lebensmittel nach Großbritannien sanken im Januar. Allerdings ist der Rückgang der Importe aus der EU mit 24,8 Prozent im Vergleich zu den Exportrückgängen deutlich geringer. Dem Exportrückgang bei Schokolade von 68,4 % steht beim Import nur ein Rückgang von 10,8 % entgegen. Die FDF erwartet aber, dass es ab 2022 auch beim Import verstärkt Probleme geben wird, wenn in England neue Grenzregeln in Kraft treten.