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Kakao-Wanze macht Karriere: vom Schädling zum Nützling

Arne Homborg
(05.11.2012)
Agrarökologen der Universität Göttingen haben die bislang gefürchtete Kakao-Wanze neu bewertet. Bislang gilt die Kakao-Wanze auf Kakaoplantagen als Schädling, der teilweise intensiv mit Insektiziden bekämpft wird. Forscher der Universität Göttingen untersuchten jetzt auf Plantagen in Sulawesi die Folgen des Wanzenbefalls. Die Kakao-Wanze (Helopeltis sulawesi) saugt an Kakaofrüchten, wodurch Ertrag und Qualität der Kakaobohnen verringert wird. Außerdem führt es zur Vernarbung der Kakaofrüchte. Gerade diese Vernarbung schützt die Kakaofrucht aber vor dem Befall durch die Kakao-Miniermotte (Conopomorpha cramerella) wie die Wissenschaftler bei ihren Beobachtungen herausfanden. Die Kakao-Miniermotte ist schwerer zu bekämpfen, als die Kakao-Wanze. Sie legt ihre Eier auf den Früchten ab und die Larven bohren sich in die Frucht um sich vom Fruchtfleisch zu ernähren. Dadurch wird die Frucht viel stärker geschädigt, als durch die Kakao-Wanze, Ertrag und Qualität sinken noch mehr. Die in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology veröffentlichten Ergebnisse von Felduntersuchungen und Laborexperimenten bestätigten, dass die Miniermotte Kakaofrüchte meidet, die durch Wanzenbefall vernarbt sind. Insgesamt führt ein mittelstarker Wanzenbefall zu einem deutlich besseren Erntebetrag, da entsprechend weniger Schaden durch die Kakao-Miniermotte entsteht. So kommen die Forscher zu dem Ergebnis das die Kakao-Wanze eher als Nützling zu bewerten ist. Insgesamt lässt sich der Einsatz von Insektiziden auf Kakaoplantagen durch die Erkenntisse deutlich senken und gleichzeitig der Ertrag erhöhen. Quelle: Arno Wielgoss et al. A minor pest reduces yield losses by a major pest: plant-mediated herbivore interactions in Indonesian cacao. Journal of Applied Ecology 49: 465-473 (2012). Doi: 10.1111/j.1365-2664.2012.02122.x