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Kritik an Tony’s Chocolonely für Zusammenarbeit mit Barry Callebaut

Niederländischer Hersteller wird von Liste „Ethischer Firmen“ gestrichen

Arne Homborg
(18.02.2021)

Das Unternehmen Tony’s Chocolonely wirbt damit, am Ziel einer Schokolade zu Arbeiten, die frei von Sklavenarbeit ist. Dafür hat das Unternehmen ein eigenes System zur Rückverfolgbarkeit des Kakaos bis zur einzelnen Plantage und zur Kontrolle der Plantagen entwickelt. Für seinen Einsatz eine ethisch korrekte Schokolade anzubieten, war Tony’s Chocolonely auch auf einer entsprechenden Liste der amerikanischen Organisation Slave Free Chocolate (SFC) aufgeführt. Von dieser Liste wurden die Niederländer jetzt gestrichen.

In Deutschland gibt es Tony’s Schokolade derzeit unter anderem als Eigenmarke des Moderators Joko Winterscheidt unter dem Namen Jokolade.

Zusammenarbeit mit Barry Callebaut und „ethisches Unternehmen“ für SFC nicht vereinbar

Als Grund dafür nennt SFC die Zusammenarbeit zwischen Tony’s Chocolonely und dem Weltmarktführer für die Schokoladenherstellung dem Barry Callebaut Konzern. Zwar kontrolliert Tony’s die gesamte Beschaffung des Kakaos und auch den Vertrieb der Schokolade, die eigentliche Verarbeitung des Kakaos und die Produktion der Schokolade wird aber von Barry Callebaut durchgeführt. Damit verschafft sich Tony’s einen unfairen Kostenvorteil gegenüber anderen Herstellern mit ethischem Anspruch, die die Aufwändige Produktion selbst durchführen, so SFC. Denn der Barry Callebaut Konzern sagt von sich selbst, dass nicht alle seine Schokoladen frei von Sklaverei sind, auch wenn das Unternehmen eigene Projekte hat um das Ziel Sklavenfreiheit zu erreichen.

Tony’s Chocolonely weist Kritik zurück

Der niederländische Schokoladenhersteller weist die Kritik zurück. Man habe sich bewusst für die Zusammenarbeit mit Barry Callebaut entschieden um zu zeigen, das man auch in Zusammenarbeit mit multinationalen Konzernen etwas ändern kann. Zudem hätte Barry Callebaut eine komplett getrennte Produktion eingerichtet um die Schokolade für Tony’s vollständig von anderen Produkten trennen zu können. Ein weiterer Grund für die Zusammenarbeit ist ganz klar die Größe von Barry Callebaut, nur mit einem solchen Unternehmen als Hersteller ist ein schnelles Wachstum möglich und das Ziel von Tony’s Chocolonely sei es auch nicht nur selbst sklavenfreie Schokolade anzubieten, sondern darauf Einfluss zu nehmen das sämtliche Schokolade sklavenfrei produziert wird.

Kommentar - Fair oder nicht?

Die Kritik an der Zusammenarbeit zwischen Tony’s und Barry Callebaut ist sicherlich nicht ganz unbegründet. Allerdings müsste man das dann auch Konsequent auf alle Unternehmen der Lieferkette ausdehnen und neben Verarbeitern zum Beispiel auch Logistikfirmen einbeziehen und diejenigen ausschließen die auch mit Sklaverei produzierten Kakao transportieren. Das würde aber letztlich die Produktion sklavenfreier Schokolade unmöglich machen.

Auf der anderen Seite bietet Tony’s bei aller berechtigten Kritik ein extrem anspruchsvollen Rückverfolgbarkeitssystem mit einer ausgearbeiteten Kontrolle der einzelnen Plantagen und wirksamen Verfahren um Probleme auf Plantagen zu erkennen zu lösen. Darüber hinaus veröffentlicht Tony’s weitaus mehr Daten als die meisten anderen Schokoladenanbieter der Welt und bietet so wesentlich mehr Transparenz. Der Jahresbericht des Unternehmens verheimlicht deshalb auch nicht Beanstandungen die es auf Plantagen gegeben hat, sondern veröffentlicht diese und wie darauf reagiert wurde. So wirbt das Unternehmen auch nicht mit „garantiert sklavenfreier Schokolade“ sondern damit am „Ziel sklavenfreier Schokolade“ zu arbeiten. Das man das Ziel auch in Bezug auf die eigene Schokolade noch nicht erreicht hat, gibt das Unternehmen dabei offen zu.

Letztlich muss jeder Verbraucher selbst entscheiden. Die Ansprüche die Tony’s dabei erfüllt sind trotz berechtigter Kritik sicherlich deutlich höher als bei der Mehrheit der in Supermärkten und Discountern angebotenen Schokoladenmarken.