BDSI nimmt Stellung zu Plänen der EU

6. März 2009 durch
Arne Homborg
Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie hat in einer aktuellen Veröffentlichung Stellung zu den Nährwertprofil-Plänen der EU genommen:

BDSI aktuell: Brüssel will wahre Werbeaussagen verbieten

Die Europäische Kommission erarbeitet gerade auf der Grundlage der sogenannten Claims-Verordnung „Nährwertprofile“. Die Inhaltsstoffe eines Lebensmittels ergeben sein Profil. Der Anteil an gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker wird dabei von der Kommission besonders unter die Lupe genommen. Ist der Anteil zu hoch, dann wird man künftig von einem ungünstigen oder negativen Nährwertprofil sprechen. Das wiederum bedeutet das ‚Aus’ für viele nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen. Nach Meinung der EU sind positive Aussagen irreführend, wenn ein Produkt zu süß oder zu salzig ist. Das Gleiche gilt, wenn der Anteil der gesättigten Fettsäuren zu hoch ist.

Derzeitiger Vorschlag der Kommission zu Nährwertprofilen
Wir sind eindeutig gegen irreführende Werbeaussagen. Und in der Regel können wir ganz klar sagen, wann eine Aussage gegen etwas verstößt, und irreführende Angaben können schon heute aufgrund der bestehenden Gesetze untersagt werden. Anders verhält es sich mit den Nährwertprofilen: Wissenschaftlich sind sie nicht nur umstritten, sie sind fragwürdig. Fast kein Wissenschaftler spricht sich dafür aus. Die Qualität der Ernährung wird nicht durch ein einzelnes Lebensmittel bestimmt, sondern durch die Summe dessen, was an Lebensmitteln über einen längeren Zeitraum aufgenommen wird. Ein einzelnes Lebensmittel bzw. Lebensmittelgruppen anhand von Grenzwerten für Salz, Zucker und gesättigte Fettsäuren in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen, macht also keinen Sinn. Erstens wird bei diesem Ansatz nicht die Gesamternährung berücksichtigt, die entscheidend ist, und zweitens werden willkürlich nur drei Inhaltsstoffe betrachtet. Auch darüber, wo die Grenzen für diese drei Inhaltsstoffe genau zu ziehen sind, lässt sich trefflich streiten. Diese Punkte werden momentan von der Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou ignoriert. Relativ offen wird daher im offiziellen Brüssel von politischen Nährwertprofilen gesprochen.

Welche Auswirkungen werden die Nährwertprofile haben?
- Husten- oder Kräuterbonbons lindern den Hustenreiz. Das weiß bei uns jedes Kind – seit über hundert Jahren. Bonbons enthalten Zucker, das weiß auch jedes Kind. Die EU befürchtet offensichtlich, dass das nicht bekannt ist. Fortan dürften wir nach dem Willen der EU nicht mehr über die positive Wirkung der Husten- und Kräuterbonbons informieren, weil die Bonbons Zucker enthalten. Damit haben sie ein negatives Nährwertprofil. Die Sorge ist, dass wir ohne Brüsseler Vorschriften zu viele Bonbons essen und damit dick würden. Das ist absurd.

- Nüsse sind seit jeher ein Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Die Wissenschaft betont die positive Wirkung auf die Gesundheit – besonders die der enthaltenen ungesättigten Fettsäuren. Salzen wir die Nüsse, dann sieht es die ‚Ernährungsbehörde’ ganz anders: Gesalzene Nüsse sind nicht mehr gesund und dürfen damit auch nicht mehr beworben werden. Wir verstehen das nicht. Die ungesättigten Fettsäuren sind doch noch da und nicht durch das Salz verdrängt oder ersetzt worden.

- Deutschland ist überall für die schier unendliche Vielfalt von Backwaren berühmt. Bekannt sind auch z. B. die Vitalkekse, in denen sehr viele Ballaststoffe verarbeitet werden. Wir dürfen künftig darauf nicht mehr hinweisen. Das ist ein Anreiz in die falsche Richtung: Wenn Hersteller nicht mehr über die gesunden Ballaststoffe informieren dürfen, dann könnten sie auch darauf verzichten. Ein weiterer ‚Salto irrationale’ aus Brüssel!

- Auch beim Bäcker finden wir eine reichhaltige Auswahl an Brot. Besonders wertvoll ist das Vollkornbrot. Es enthält wichtige Stoffe, die unser Körper tagtäglich braucht. Auf unser täglich Brot sind wir in Deutschland besonders stolz. Nach den vorliegenden Plänen der EU-Kommission soll das Vollkornbrot geächtet werden, da es zu viel Salz enthält.

Nährwertprofile im Kontext
Für uns gibt es keine guten und schlechten Lebensmittel. Es kommt auf die gesamte Ernährung an. Alle Experten sind sich darin einig. Nur Brüssel sieht das anders. Durch die Nährwertprofile werden die Lebensmittel eindeutig in ‚gut’ und ‚schlecht’ eingeteilt. Vergessen wird dabei, dass es bei der Ernährung immer auf die Menge und Vielfalt ankommt, die insgesamt über den Tag bzw. über einen längeren Zeitraum hinweg gegessen wird.

Wir sind überzeugt: Jeder muss selbst entscheiden dürfen, was er isst! Auch müssen wir dem Verbraucher so viele Informationen geben, wie er benötigt. Es geht aber nicht, dass die Brüsseler Behörden den Verbraucher entmündigen und bevormunden. Das tun sie aber, wenn sie durch die Nährwertprofile bestimmte Informationen über die Lebensmittel verbieten wollen und willkürlich in ‚gut’ und ‚schlecht’ unterteilen.

Es ist Gedankenlosigkeit oder ein Denkfehler, allen Menschen das gleiche Ernährungsprofil zu unterstellen oder verordnen zu wollen. Wir haben alle Vorlieben und Abneigungen, wenn es um das Essen geht. Wir sind gegen die Versuche aus Brüssel, einen Durchschnittsverbraucher zu konstruieren. Wir wollen uns auch künftig als Sizilianer oder Finne, als Münchner oder Berliner so ernähren, wie wir es für richtig halten. Da soll uns niemand reinreden!

Ganz deutlich wollen wir sagen: Wir sind nicht per se gegen Vorschriften aus Brüssel. Ganz im Gegenteil. Aber wir sehen, wie in allen Staaten gute und weniger gute Politiker sinnvolle oder weniger sinnvolle Gesetze auf den Weg bringen. Bei den Nährwertprofilen hat man jeglichen wissenschaftlichen Sachverstand ignoriert. Was dabei herauskommt, sind politisch motivierte Nährwerte und ein schaler Beigeschmack.

Die Forderungen des BDSI sind daher:
- Wahre und wissenschaftlich begründete Informationen und Aussagen auf Lebensmitteln müssen erlaubt bleiben.

- Macht Schluss mit der Unwissenschaftlichkeit und mit der Bevormundung der Verbraucher.

- Willkürliche Nährwertprofile dürfen nicht traditionelle Produkte und die Vielfalt unserer Lebensmittel zerstören.

- Macht Schluss mit rein politisch-erzieherisch motivierten Vorhaben und bezieht den wissenschaftlichen Sachverstand stärker in die Entscheidungen mit ein.


Ansprechpartner im BDSI:
Torben Erbrath
Tel.: 02 28/2 60 07-82
Mail: torben.erbrath@bdsi.de  
http://www.bdsi.de/
Arne Homborg 6. März 2009
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