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Eröffnung der gläsernen Konditorei im Tübinger Rathaus

Eine gläserne Schau-Konditorei im Tübinger Rathaus zaubert genussvolle Vorweihnachtsstimmung auf den Marktplatz der Universitätsstadt. Hier zeigt man, unter Einhaltung der Coronaregeln und Infektionsschutz möglich ist und verwandelt das historische Gebäude für die nächsten Wochen in das süßeste Rathaus Deutschlands.

Tübingen Erleben GmbH
(06.12.2020)

„Markt und Straßen sind verlassen, still erleuchtet jedes Haus. Einsam geh ich durch die Gassen...“
Joseph von Eichendorffs berühmtes vor ungefähr 200 Jahren geschriebenes Weihnachtsgedicht klingt, als sei es im Winter 2020 entstanden. Leere Straßen. Alle daheim. In diesem Jahr sind Abstand und Askese angesagt. Auch die Tübinger chocolART, Deutschlands größtes Schokoladenfestival musste abgesagt werden.

Abstand wahrt man also auch in Tübingen – aber Askese muss nicht sein. Wozu auch? Genuss macht gute Laune und die darf gerne ansteckend sein. Deshalb macht die Universitätsstadt den Genuss zur Chefsache: Gemeinsam mit dem Landesinnungsverband der Konditoren Baden-Württembergs richtet „Tübingen erleben“ im Erdgeschoss des Rathauses eine gläserne Schaukonditorei ein. Wer über den Marktplatz bummelt, kann dann durch die großen Panoramascheiben bei der Produktion süßer Köstlichkeiten zusehen.

„Die Idee hatte Tübingen erleben und ich war sofort dabei“, meint Johannes Becker, der im Rathausfoyer am Fenster vor seinem Arbeitstisch steht und sorgfältig intensiv nach Himbeeren duftende rosafarbene Schaumkringel in Schokoladenwaffeln spritzt. Vor dem Fenster bleiben Passanten stehen, winken und machen Fotos. Johannes Becker liebt das. Durch ein geöffnetes Fenster kann er sogar mit seinen Zuschauern plaudern – darüber freut er sich besonders.

Ob der Konditormeister auf dem Ellmendinger Winzermarkt „Möpfen“ genannte Schaumwaffeln ausbackt, auf der Art Karlsruhe arabische Kaffeekreationen serviert, in der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim Brotbackkurse anbietet oder im Tübinger Rathaus in die Herstellung des Schaumkusses einweiht - Johannes Becker ist jemand, der sich bei der Arbeit gerne über die Schulter schauen lässt und selbst die größten Schokoskeptiker von der hohen Kunst der Zuckerbäckerei zu überzeugen vermag.

Seit vielen Jahren schon ist er gern gesehener Gast auf der Tübinger chocolART, für die er den chocoLINO, ein luftiges Schokoschaumgebäck, erfunden hat. Der chocoLINO ist sozusagen die De-luxe-Variante des Schokokusses: auf einer knusprigen Waffel versteckt sich unter einer knackigen Glasur aus Bitterschokolade ein traumhaft luftiger Eiweißschaum in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Sanfte Vanille, frische Johannisbeere, sinnliche Himbeere – der chocoLINO ist Verführung pur.
Johannes Becker prüft Geschmack und Konsistenz des süßen Schaums. Nur beste Zutaten dürfen in diesen Traum von Kuss. „Jetzt passt alles“, meint er. „Heute Morgen haben wir noch ein bisschen herumprobieren müssen, um unter diesen besonderen Bedingungen das perfekte Produkt hinzubekommen.“

Eine Konditorei im Eingangsbereich des Rathauses – kann so etwas funktionieren? Johannes Becker zeigt, dass es möglich ist. Einziges Problem sei der fehlende Wasseranschluss gewesen. Jetzt hätte man ein Waschbecken mit einem Boiler an einen der mittelalterlichen Fachwerkpfeiler gebaut. Problem gelöst.

Backwaren haben im Tübinger Rathaus übrigens Tradition: Als es 1435 erbaut wurde, diente das Erdgeschoss als Markthalle, in der sich auch die Verkaufs-Lauben der Bäcker befanden, eine geschnitzte Brezel im Fachwerk des Foyers erinnert noch heute daran

Für alle die es etwas habhafter mögen oder die sich in der gläsernen Rathauskonditorei etwas zum Nachbacken abschauen wollen, werden noch saftige Schokomuffins gebacken. Der Duft nach Schokolade und ofenwarmem Kuchen zieht bis auf den Marktplatz, wo die Kreationen aus der Rathauskonditorei an einem Stand verkauft werden.

Weil die traditionelle chocolART nicht stattfinden konnte, rief Veranstalter „Tübingen erleben“ die chocoZEIT aus: Vom 30. November bis Weihnachten bieten Tübinger Betriebe besondere Schokoladenaktionen an: Geschäfte laden zum chocoSHOPPING, es gibt online-Schokokurse und Schokotastings und am 5. Dezember kann man der Kakaokünstlerin Dorte Schetter im Modehaus Zinser beim Malen kunstvoller Schokobilder zusehen.

„Wir wollten einfach zeigen, was trotz Coronaregeln noch alles möglich ist, wenn man ein bisschen kreativ ist und gerne improvisiert“, meint Hans-Peter Schwarz. „Die Lage ist ernst genug – da tut es gut, wenn wir uns in der Adventszeit ein paar schöne, genussvolle Momente gönnen und uns auch mit Abstandsregeln auf Weihnachten freuen - und da gehört Schokolade unbedingt dazu.“

Mehr über die Tübinger chocoZeit