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Schokolade und der Tag der Rückengesundheit

Warum die Herstellung von Schokolade häufig schlecht für den Rücken ist

Arne Homborg
(15.03.2021)

Heute, am 15. März, ist der Tag der Rückengesundheit. Auf den ersten Blick hat das nichts mit der Herstellung von Schokolade zu tun, aber nur auf den ersten Blick. Schaut man sich den wichtigsten Rohstoff für Schokolade an und wie dieser Transportiert und gelagert wird, merkt man ganz schnell wie wenig Rückenfreundlich die Schokoladenherstellung ist.

Kakaosäcke mit 60 kg bis 70 kg Gewicht sind die Regel und auf Dauer schlecht für die Gesundheit.Kakaosäcke wiegen fast immer zwischen 60 kg und 70 kg

Traditionell werden Kakaobohnen nachdem sie auf den Plantagen getrocknet wurden zum Transport in Jutesäcke gefüllt. In der Regel hat jede Anbauregion dabei das regional übliche Maß und damit meist ein Gewicht zwischen 60 kg und 70 kg. Ähnliche Gewichte müssen bereits vorher durch unwegsames Gelände bewegt werden, wenn bei der Ernte auf den Farmen die Kakaofrüchte und die Kakaosamen mit dem Fruchtfleisch zur Fermentation eingesammelt werden.

Wer einmal versucht hat Säcke mit einem Gewicht von 60 kg bis 70 kg zu heben und über längere Strecken zu Tragen, der weiss, dass das nur etwas für kräftige, gesunde, junge Menschen ist und auch diese so eine Arbeit nicht dauerhaft ohne Rückenschäden bewältigen können.

CargoPicker zum Entladen von Kakaosäcken.Moderne Hilfsmittel nur beim Entladen in Europa und Nordamerika

Als Westeuropäer denken wir häufig zuerst an technische Lösungen für die Probleme beim Bewegen schwerer Säcke. So haben wir erst im Dezember eine Maschine der niederländischen Firma Maproloc Systems vorgestellt. Der CargoPicker ist in der Anlage Säcke mit bis zu 85 kg Gewicht zu bewegen und wird in europäischen Häfen schon beim Entladen von Containern voller Kakaosäcke eingesetzt. So kann ein Arbeiter ohne seinen Rücken zu belasten bis zu 400 Kakaosäcke pro Stunde entladen.

Derart technisch aufwändige Maschinen sind aber für den Einsatz auf Kakaoplantagen ungeeignet und zu teuer, helfen also nur wenigen Arbeitern in der Logistikkette der Kakaobohnen.

Kleiner geht und verhilft auch Frauen zu Einkommensmöglichkeiten

Das man das Problem auch einfacher lösen kann, zeigt der kleine Schokoladenhersteller Pacari aus Ecuador. Pacari bezieht seine Kakaobohnen von ausgesuchten Farmen in Ecuador und verarbeitet den Kakao selbst ebenfalls in Ecuador zu Schokolade. Dabei vielen dem Unternehmen die Probleme mit den schweren Kakaosäcken auf und gemeinsam mit den Farmern hat man das Problem auf einfache Weise gelöst. Man hat einfach das Gewicht der Säcke auf ein Viertel der ursprünglich 50 kg reduziert und so die Belastung für die Arbeiter auf den Plantagen und in der Logistik auf ein Maß gesenkt, dass langes Arbeiten auch ohne Rückenschäden ermöglicht.

Dabei bietet das reduzierte Gewicht bei der Arbeit auf den Plantagen noch einen sozialen Vorteil. Wesentlich mehr Menschen sind in der Lage die kleineren Gewichte zu Heben und zu Tragen. So konnten vor allem für Frauen, die bislang keine Arbeit rund um die Plantagen finden konnten, neue Arbeitsbereiche erschlossen werden. Damit können sie eigenständig zum Unterhalt der Familien beitragen, neben dem Erhalt der Rückengesundheit ein weiterer wichtiger sozialer Vorteil kleinerer Säcke.