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Ritter Sport stellt Schokoladenproduktion ein und eröffnet Marketingagentur

Wenn eine Kampagne zu einer neuen Schokolade in der BILD beginnt kann das Niveau nur Unterirdisch sein

Arne Homborg
(08.02.2021)

Als letzte Woche die Marke Ritter Sport eine neue Schokolade vorstellte die zu 100 % aus Kakao besteht und deshalb nicht Schokolade heißen darf, habe ich mir nichts dabei gedacht. Zwar sind Tafeln die zu 100 % aus Kakao bestehen im Absatzmarkt von Ritter Sport bei Discountern und Supermärkten eher selten, aber bei guten Schokoladenmanufakturen nichts Besonderes. Auch das diese Tafeln nicht Schokolade heißen dürfen, weil sie keinen Zucker enthalten, ist ein alter Hut und keine Meldung wert. Beim Lesen der Meldungen bin ich also nicht über den Titel hinausgekommen und habe mich nur darüber gewundert, wie es Ritter Sport schafft mit so einer Sache in alle Medien zu kommen. Bis ich heute zufällig über eine Artikel bei uebermedien.de stoße und feststelle:

Neue Ritter Sport Tafel ist DOCH Schokolade

Was mir letzte Woche entgangen war, weil ich bei einer 100 % Kakaotafel an die üblichen Kakaomassetafeln gedacht habe, ist die Tatsache, dass die Ritter Sport Tafel mit Kakaofruchtsaft gesüsst wurde. Dann aber darf sich die Tafel Schokolade nennen. Das hat inzwischen auch schon das zuständige Bundesministerium klargestellt. Es spielt nämlich überhaupt keine Rolle was zum Süßen von Schokolade genommen wird. Auch wenn Sprecher von Ritter Sport immer noch versuchen einen anderen Eindruck zu erwecken.

Marketing Gag peinlich für die Medien

Ritter Sport hat mit der Aktion einen super Marketingerfolg gelandet, der sogar international Beachtung fand. Damit dürfte klar sein, dass sich das Familienunternehmen künftig auf die Arbeit als Marketingagentur konzentriert und die Herstellung von Schokolade hinten anstellt. Stimmt nicht? Mag sein, aber das nimmt man weder bei Ritter Sport noch bei den Medien wie der Bild Zeitung und der Deutschen Presse Agentur DPA so besonders genau. Wer sich gerne das ganze peinliche Pressetheater mit den Aussagen von Ritter Sport, Bundesministerium und Medienvertretern ansehen möchte, findet eine schöne Auflistung der Ereignisse, Falschmeldungen und halbherzigen Korrekturen bei:

Link zum Weiterlesen: Wie man eine neue Schokoladensorte in die Medien bringt

Cacao y nada oder doch eher Marketing y nada bei Ritter Sport.Und die neue Schokolade?

Ein Test ist leider nicht möglich, denn die auf 2.300 Stück begrenzte Sorte „Cacao y nada“, zu Deutsch in etwa „Marketing sonst nichts“, ist bereits ausverkauft. „Neu“ ist an der Schokolade ohnehin nur, dass sie von Ritter Sport kommt, denn Schokolade die mit Kakaofruchtsaft gesüsst wird ist längst erfunden. Die Idee dahinter, nämlich eine Schokolade nur aus der Kakaofrucht herzustellen, ist durchaus interessant. Dafür benötigt man aber den süßen Fruchtsaft der Kakaofrüchte, der eigentlich gar nicht übrig ist. Er wird für die Fermentation der Kakaobohnen benötigt, steht also nicht in beliebigen Mengen zur Verfügung. Trotzdem ein interessanter Ansatz um neue Produkte zu entwickeln.