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Kein Übergewicht durch Schokolade

Arne Homborg
(01.06.2008)
Bundesminister Horst Seehofer und Prof. Dr. Gerhard Rechkemmer vom Max Rubner-Institut haben die Ergebnisse des 2. Teils der Nationalen Verzehrsstudie NVS II vorgestellt. Durch geänderte Methodik und andere Zuordnung einzelner Lebensmittel zu unterschiedlichen Gruppen lassen sich die Ergebnisse leider nicht mit der vor 20 Jahren durchgeführten ersten Nationalen Verzehrsstudie vergleichen. Die Studie zeigt, dass die Energieaufnahme der Deutschen in den vergangenen 20 Jahren um 10 % zurück gegangen ist. Heute verzehren die Deutschen im Durchschnitt nicht mehr, als von den Ernährungsgesellschaften für Menschen mit niedrigen körperlichen Aktivitäten empfohlen wird. Weder einzelne Lebensmittelgruppen, wie Süßwaren, noch die gesamte Energieaufnahme können also für das Problem Übergewicht verantwortlich gemacht werden. Zahlreiche weitere Studien belegen, dass Übergewicht die Folge zahlreicher Ursachen ist. Dazu gehören vor allem mangelnde körperliche Bewegung, Stress, sozioökonomischer Status, die Bildung, eine nicht ausgewogene Ernährung, die genetische Veranlagung und der Lebensstil während der Schwangerschaft. Folgen die Politiker ihrer eigenen Studie, müssten sie sich nicht länger mit Scheindebatten um gesunde oder ungesunde Lebensmittel beschäftigen. Vorschläge wie eine Ampelkennzeichnung sind den Studienergebnissen zu Folge völlig überflüssig. Vor allem durch soziale Absicherung, mehr Bildung und Bewegung ließe sich Übergewicht bekämpfen. Nicht gerade das Lieblingsthema deutscher Politiker, zeigen internationale Studien doch, dass gerade in Deutschland Armut zunimmt und das Bildungssystem die Gegensätze eher verstärkt als ausgleicht.