Ritter Sport testet Verpackung aus Papier

Erster kleiner Praxistest für eine mögliche neue Papierverpackung der Schokolade
31. Januar 2020 durch
Arne Homborg

Passend zum Auftakt der Internationalen Süßwarenmesse ISM in Köln am Sonntag überziehen Umweltschützer die Süßwarenbranche mit Vorwürfen, sinnlos Verpackungen zu produzieren die dazu auch noch überwiegend aus Kunststoff bestehen. Zu einem Teil haben die Umweltschützer mit diesen Vorwürfen recht, häufig wird zu viel Verpackung verwendet und einige Produkte könnten auch ohne Probleme auf andere Materialen umgestellt werden. Nur bei Schokolade gibt es das Problem, das es bislang keine echten Alternativen gibt. Die „kompostierbaren“ Folien die derzeit erhältlich sind, sind nur industriell kompostierbar und damit kein Fortschritt. Viele Materialien erfüllen nicht die Anforderungen die ein fetthaltiges Lebensmittel wie Schokolade nunmal hat. Andere Verpackungen wie die klassische Alufolie eignen sich zwar, haben aber eine noch schlechtere Umweltbilanz. Der Schokoladenhersteller Ritter Sport hat jetzt ein Projekt vorgestellt, in dem Papier die Lösung des Verpackungsproblems sein soll.

Ritter Sport Schokolde in PapierverpackungRitter Sport arbeitet an Umstellung von Polypropylen auf (beschichtetes) Papier

Der Schokoladenhersteller sieht in Papier einen klaren Vorteil gegenüber der bisherigen Polypropylenverpackung. Zwar ist auch Polypropylen voll recycelbar, aber schlechte Sammelsysteme und schwierige Aufarbeitung sorgen für extrem schlechte Recyclingquoten. Dagegen ist die Sammlung von Altpapier und dessen Recycling nicht nur in Deutschland, sondern auch International meist gut organisiert. Der größte Nachteil von Papier ist die fehlende Schutzbarriere für fetthaltige Lebensmittel. Bei trockenen, fettarmen Produkten wie Reis, Nudeln und Mehl ist das kein Problem, wohl aber für Schokolade mit ihrem hohen Fettanteil. Ritter Sport testet jetzt den Prototypen eines neuen Papiers, das eine ausreichende Schutzfunktion bieten soll. Dafür suchte das Unternehmen jüngst freiwillige Tester. Für den Praxistest wurde eine kleine Charge Schokolade in Papier verpackt. Das verwendete Spezialpapier soll laut Ritter Sport auf der Innenseite eine Barrierebeschichtung haben, aber trotzdem als Papier recycelt werden können. Worin genau die Beschichtung besteht, dazu machte das Unternehmen keine Angaben. Ob am Ende eine Verpackung auf den Markt kommt, die tatsächlich eine bessere Öko-Bilanz aufweist als die derzeit gängigen Kunststoffverpackungen bleibt abzuwarten.


Arne Homborg 31. Januar 2020
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